Rezension: Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann

18 Jun

Inhalt

Mit hintergründigem Humor schildert Daniel Kehlmann das Leben zweier Genies: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Er beschreibt ihre Sehnsüchte und Schwächen, ihre Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Ein philosophischer Abenteuerroman von seltener Phantasie, Kraft und Brillanz.

Meinung

Das war für mich eigentlich ein Re-Read, aber es ist schon so lange her, dass ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe (es sind bestimmt schon 5 Jahre) und ich erinnere mich, dass es mich damals nicht sonderlich interessiert hat. Das hat sich aber offensichtlich geändert, denn dieses Mal war ich absolut begeistert! Die Vermessung der Welt ist witzig, klug und wunderbar absurd. Die Art und Weise, wie Kehlmann Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß dem Leser präsentiert ist einfach unterhaltsam. Beide haben für die wirklich schönen Dinge im Leben keinen Sinn, sondern begnügen sich lieber damit, ihr Leben lang entweder, in Humboldts Fall, durch die Welt zu reisen oder, in Gauß‘ Fall, über Formeln zu tüfteln, die ihm in den unmöglichsten Situationen einfallen. Mit anderen Menschen können sie beide nicht viel anfangen. Gauß heiratet zwar, aber am wichtigsten ist für ihn seine Mutter. Reisen mag er gar nicht und seine Kinder kann er eigentlich auch nicht leiden (die Tochter ist zu hässlich, die Söhne zu dumm). Bei Humboldt fragt man sich, ob er überhaupt jemanden mag. Seinen Bruder? Mehr ein Rivale. Bonpland? Die beiden scheinen nur aneinander vorbei zu reden. Er verliebt sich nicht und hat, anders als Bonpland, keine Affären auf seinen Reisen. Allerdings habe ich mich mehrfach gefragt, ob Humboldt auf kleine Jungen steht? Vielleicht habe ich es falsch interpretiert, aber für mich kam es in der ein oder anderen Situation mehr oder weniger deutlich so rüber!?

Ein Highlight war für mich auf jeden Fall, dass Zusammentreffen von Humboldt und Gauß und die darauf folgenden letzten Kapitel (das Buch beginnt, mit Gauß‘ Reise zu Humboldt nach Berlin, springt aber nach seiner Ankunft sofort in die Vergangenheit und erzählt die Lebensgeschichten der beiden, bevor sich der Kreis letzlich wieder schließt). Es gibt Unterhaltungen, da scheinen beide so in ihre eigenen Gedanken versunken, dass sie das Gerede des anderen gar nicht wahrnehmen. Bis sie dann schließlich doch wieder auf etwas eingehen, was der andere gesagt hat. Wunderbar verwirrend teilweise, aber dadurch auch herrlich komisch!

Fazit

Ich kann „Die Vermessung der Welt“ wirklich nur jedem ans Herz legen. Am Anfang ist man etwas verloren, aber je mehr man liest, desto mehr kommt man in der Geschichte an – und an den Humor, der in seiner Subtilität sicher etwas speziell ist, gewöhnt man sich in gleichem Maße.

5/5

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