Rezension: Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt

27 Jul

Inhalt

In dem Drama „Die Physiker – Eine Komödie in zwei Akten“ von Friedrich Dürrenmatt geht es um H.G. Beutler (Newton genannt), E.H. Ernesti (genannt Einstein) und J.W. Möbius (der Überzeugung ihm würde König Salomo erscheinen). Sie leben gemeinsam in einer ‚Villa‘, die zum alten Trackt eines Irrenhauses gehört. Newton tötete drei Monate zuvor seine Krankenschwester durch erdrösseln. Der erste Akt setzt kurz nach dem zweiten Mord an. Einstein ermordete ebenfalls seine Krankenschwester durch erdrosseln. Man wird direkt in das Tatortgeschehen hineingeworfen. Nach Abfahrt des Inspektors bekommt Möbius von seiner Ex-Frau & seinen drei Kindern besuch, welche er vorher noch nie gesehen hatte – er lebt bereit seit 15 Jahren in dem Irrenhaus. Nachdem auch Möbius seine Krankenschwester ermordet wiederholt sich die Anfangsszene erneut. Bis zu diesem Punkt ist man noch in dem Glauben, dass sich das Stück lediglich um die Morde an den Krankenschwestern dreht. Deshalb ist die Überraschung jedoch umso größer als die drei Physiker schließlich zusammenkommen, sich unterhalten und ihre wahren Motive zum Vorschein bringen – ebenso wie der Auftritt des Fräulein Doktor & ihre Rolle in der ganzen Geschichte. So nimmt das Stück am Ende eine wahrlich überraschende Wende.

Im Anhang findet man noch die „21 Punkte zu den Physikern“, welche das Stück ergänzen und auch erklären.

Meinung

„Die Physiker“ sind eine Komödie und als solche sind auch die Dialoge sehr amüsant. Besonders auffällig hierbei ist der schnelle Dialog, welche im ganzen Stück sehr oft zu lesen ist. Ein Beispiel dafür ist bereits der Anfang:

Auszug: Beginn 1. Akt:
INSPEKTOR: Man darf doch rauchen?
OBERSCHWESTER: Es ist nicht üblich.
INSPEKTOR: Pardon.
Er steckt die Zigartte zurück.
OBERSCHWESTER: Eine Tasse Tee?
INSPEKTOR: Lieber Schnaps.
OBERSCHWESTER: Sie befinden sich in einer Heilanstalt.
INSPEKTOR: Dann nichts. […] Wie hieß die Schwester?
OBERSCHWESTER: Irene Straub.
INSPEKTOR: Alter?
OBERSCHWESTER: Zweiundzwanzig. Aus Kohlwang.
INSPEKTOR: Angehörige?
OBERSCHWESTER: Ein Bruder in der Ostschweiz.
INSPEKTOR: Benachrichtigt?
OBERSCHWESTER: Telefonisch.
INSPEKTOR: Der Mörder?
OBERSCHWESTER: Bitte, Herr Inspektor – der arme Mensch ist doch krank.
INSPEKTOR: Also gut: der Täter?
OBERSCHWESTER: Ernst Einrich Ernesti. Wir nennen ihn Einstein.
INSPEKTOR: Warum?
OBERSCHWESTER: Weil er sich für Einstein hält.
INSPEKTOR: Ach so.

Die Handlung scheint zwischenzeitlich etwas verwirrend und die Personen nutzen jede Gelegenheit um ihren Wahnsinn zu zeigen. Besonders amüsant zu sehen ist dies in einem Gespräch das Newton mit dem Inspektor führt:

Auszug: Mitte 1. Akt:
NEWTON: Darf ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen, Herr Inspektor?
INSPEKTOR: Selbstverständlich.
NEWTON: Ich bin nicht Sir Isaak. Ich gebe mich nur als Newton aus.
INSPEKTOR: Und weshalb?
NEWTON: Um Einstein zu verwirren.
INSPEKTOR: Kapiere ich nicht.
NEWTON: Im Gegensatz zu mir ist doch Ernesti wirklich krank. Er bildet sich ein, Albert Einstein zu sein.
INSPEKTOR: Was hat das mit Ihnen zu tun?
NEWTON: Wenn Ernesti nun erführe, dass ich in Wirklichkeit Albert Einstein bin, wäre der Teufel los.
INSPEKTOR: Sie wollen damit sagen –
NEWTON: Jawohl. Der berühmte Physiker und Begründer der Relativitätstheorie bin ich. Geboren am 14. März 1879 in Ulm.
Inspektor erhebt sich etwas verwirrt.
INSPEKTOR: Sehr erfreut.
Newton erhebt sich ebenfalls.
NEWTON: Nennen Sie mich einfach Albert.
INSPERTOR: Und sie mich Richard.
Sie schütteln sich die Hände.

Mit knapp 75 Seiten ist es zudem ein sehr kurzes Drama & dadurch auch für Menschen, denen die Dramatik sonst eher nicht zusagt geeignet. Es ist ein kurzes Lesevergüngen. Wäre es als Epik geschrieben worden, wäre es längst nicht so amüsant. Denn gerade das Fehlen von beschreibenden Adjektiven und Ausführungen machen den schnellen Schlagabtausch der Personen erst möglich & unterhaltsam.

Fazit

Im Laufe meiner Schulzeit quälte ich mich durch so maches Drama (Die Ratten von G. Hauptmann, Geschichten aus dem Wiener Wald von Ö. v. Horváth, u.a.) und das entscheidende Wort hierbei ist „quälen“. Und so beneide ich nun meine jüngere Schwester, dass sie das Glück hat im kommenden Schuljahr ausgerechnet „Die Physiker“ als Pflichtlektüre zu haben – über ein solches Buch hätte ich mich letztes Jahr gefreut! Das Lesen macht Spaß und ist wirklich unterhaltsam. Die Geschichte ist originell und mit einem wirklich überraschenden Ende! Ich kann „Die Physiker“ wirklich nur jedem empfehlen, der sich einmal in die Dramatik vorwagen möchte – es lohnt sich & man wird sich sicherlich nicht hindurchquälen (bei nur knapp 70 Seiten wäre dies wirklich eine Kunst).

5/5

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2 Antworten to “Rezension: Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt”

  1. stefanhensch 27. Juli 2010 um 23.48 #

    Treffende Rezension zu diesem Alltime-Klassiker! Schöne Idee den „schnellen Dialog“ zu thematisieren!

  2. Svenja 1. Februar 2012 um 01.06 #

    Wir lesen das Buch auch zur Zeit in Deutsch (Klasse 11) und ich muss sagen,dass auch ich von diesem eher kurzen Drama sehr begeistert bin.Kurze und trockene Komik bei der manchmal kaum ein Auge trocken bleibt :) Auch das Ende hat mich sehr überrascht!Super Rezension überings :D

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